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3.DIE 50er JAHRE

Die 1950er Jahre waren das erfolgreichste Jahrzehnt in der bisherigen Genre-Geschichte. Trotz des Sterben der Pulp-Magazine, die für den Western zuvor das wichtigste Medium waren. Ähnlich wie im Crime-Genre wurden die Paperback Originals (Taschenbuchoriginalausgaben) zum wichtigsten literarischen Träger. Entscheidender für den Erfolg waren audiovisuelle Formen: Nie entstanden mehr sogenannte Edel-Western und B-Pictures wie in diesem Jahrzehnt.

Atomare Bedrohung, beginnender Antikolonialismus, stellvertretende Guerilla-Kriege der Großmächte schienen die Amerikaner (und Teile der Verbündeten) die Werte des Westerns stärker ins Bewusstsein rücken zu lassen. Es war ja auch das große Jahrzehnt der Geschichtsklitterung im Historien-Film, der immer bombastischere Werke produzierte, Zudem wurde Welt immer komplexer und schwieriger durchschaubar, dass die simplen Lösungsmodelle des Westerns fast eine intellektuelle Erholung darstellten. Nicht von Ungefähr wurden nun Western von Filmkritikern ernst genommen, analysiert und ein erster Kanon entwickelt.

Zum erfolgreichsten Medium wurde ab Mitte der 1950er ausgerechnet das jüngste: das Fernsehen. Nirgendwo war das Genre erfolgreich und reaktionär wie im TV-Familienwestern (in den frühen 1960er Jahren war BONANZA die erfolgreichste und weltweit meist gesehendste TV-Serie).

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Die ersten richtigen Fernsehserien waren Western für Jugendliche. Ab 1946 zeigte ein amerikanischer Sender neu geschnitten die alten Film-Serials um HOPPALONG CASSIDY. Die Filme um den Cowboydarsteller William Boyd waren ein so gigantischer Erfolg, dass der Sender ab 1948 Originalfolgen um diesen Wildwest-Ritter produzieren ließ. Es waren naive, anspruchslose Geschichten, auf deren jeweiligen Höhepunkt Hoppy, wie er liebevoll von seinen Fans genannt wurde, mit seinem Pferd hinter den Bösen herjagte. Aber es waren die ersten „draußen“ produzierten Fernsehfilme. Ansonsten kannte man nur Dramen, wie etwa die Kriminalfälle von Martin Kane (ab 1949), die live im Studio auf der Bühne spielten und übertragen wurden. Wilde Autojagden, wie sie später das Markenzeichen von TV-Krimis werden sollten, konnten da natürlich nicht stattfinden. Hoppy und die endlose Folge anderer Jugendwestern holten dagegen aufwendig die Natur auf den Bildschirm.

Heute äußerst merkwürdig anmutende Serien wie die GENE AUTREY SHOW oder die Abenteuer des singenden Cowboys ROY ROGERS feierten Triumphe. Roy Rogers hatte gar einen Fanklub mit fast zwei Millionen Mitgliedern! Es waren die alten Konzepte und Helden der Serials, die neben den Komikern das Erscheinungsbild der Fernsehserie in diesen Pioniertagen bestimmten.

Die Fernsehsender hatten nur geringe Möglichkeiten, um richtige Serien zu produzieren, da sie über keine Filmstudios mit entsprechender Infrastruktur verfügten. Diese frühen Live-Shows wurden fast ausschließlich am Ort des Senders, in kleinen Studios, in denen sonst die Nachrichten verlesen wurden hergestellt. Also gab es auch kaum Möglichkeiten für unterschiedliche Bühnenbilder. Wenn Detektiv Martin Kane den Schauplatz wechselte, musste während der Werbeunterbrechung blitzschnell die Dekoration umgebaut werden. In dieser Zeit waren vor allem vom Veaudeville kommende Komiker, etwa Milton Berle, die großen Hits der Fernsehunterhaltung. Sie brauchten vor der Kamera nicht mehr technischen Aufwand, als sie es von der Bühne gewohnt waren. Hollywood nahm anfangs das Fernsehen als Konkurrenz nicht ernst. Aber immer mehr Amerikaner gaben die Unsumme von 4oo Dollar aus, um – wie es hieß – ein „Radio mit Bild“ zu erwerben. Und das führte dann dazu, dass Hollywood seinen Bann über das Fernsehen schlug. Schauspieler, die für das neue Medium arbeiteten, konnten sich ein Engagement bei einem der Major Studios abschminken.

MV5BMTI0ODU1MzcwNl5BMl5BanBnXkFtZTcwNjU4MTIyMQ@@._V1_UX182_CR0,0,182,268_AL_[1]Die erste Filmgesellschaft, die den Fernsehbann brach, war Walt Disney Productions. Sie stellte nicht nur die Studios für TV-Produktionen zur Verfügung. Für den Sender ABC produzierte sie ab 1954 die Anthologie-Reihe DISNEYLAND. In dieser Reihe wurde ab Dezember 1954 als Dreiteiler die Geschichte des legendären Waldläufers, Indianerkämpfers und Kongreßabgeordneten DAVY CROCKETT gezeigt. Fess Parker, der in den 6oer Jahren den nicht minder legendären Westmann DANIEL BOONE spielen sollte, war als Davy Crockett der erste Held der Fernsehgeschichte, der am Ende einer Serie ins Gras beißen musste, bei der berühmten Schlacht um Fort Alamo. Diese Mini-Serie löste den ersten TV-Kult und gleichzeitig den größten Fernsehkult der 50er Jahre aus. Kaum ein Junge, der nicht mit Crocketts Waschbärenmütze herumlief. Der Titelsong, „The Ballad of Davy Crockett“, wurde einer der größten Hits des Jahres. Es gab Crockett-Spielzeug, Schlafanzüge, Comics und, und, und. Erstmals erzeugte eine TV-Serie eine echte Merchandising-Industrie, die alle möglichen und unmöglichen Produkte herstellte, die mit dem Namen einer Fernsehpersönlichkeit verbunden wurden und sich deshalb verkauften.

Der Kino-Western boomte in den 5oer Jahren. Aber auf dem Bildschirm sahen die Erwachsenen lediglich Helden wie Roy Rogers, den Lone Ranger oder Hoppalong Cassidy. Damit konnte man natürlich keinen volljährigen Western-Fan vor den Bildschirm locken. 1955 war das Jahr, in dem das Fernsehen den sogenannten „adult western“ entdeckte. Der Boykott der Hollywood-Studios wurde von Warner-Brothers durchbrochen, die ab 1955 Fernsehserien produzierten und bis heute eine der größten TV-Produktionsgesellschaften geblieben sind. So war es möglich, daß in den kalifornischen Studios und in der freien Natur relativ aufwendig Westernserien produziert werden konnten. Die Studios fanden schnell heraus, daß sie mit Fernsehwesternserien den Niedergang der Serials und B-Pictures ausgleichen konnten. Sie benutzten in den einzelnen Serien und Episoden die alten Formeln nochmal und verwendeten außerdem altes Filmmaterial von durchgehenden Rinderherden, Indianerangriffen usw., indem sie es einfach in die einzelnen Folgen hinein schnitten statt teuer neu zu drehen. Während ein durchschnittliches B-Picture zwischen 300.000 Dollar und 600.000 Dollar Produktionskosten verschlang, konnte man eine in fünf Tagen abgedrehte Serienfolge schon für 75.000 Dollar herstellen. Und die Einnahmen von Wiederholungen, syndikatisierten re-runs und Auslandsverkäufen waren reiner Profit.

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Die erste Westernserie, die sich auch an ein Erwachsenenpublikum wandte, war WYATT EARP mit Hugh O’Brian. Aber es war die wenige Wochen später gestartete Serie GUNSMOKE(RAUCHENDE COLTS), die den Boom der adult western auslöste. Am 10.September 1955 um 22.oo Uhr sahen die amerikanischen Zuschauer des Senders CBS John Wayne vor einer Pferdekoppel stehen: Er begrüßte sie zur ersten Folge der neuen Serie über die Abenteuer eines Marshalls von Dodge City. Die Produzenten hatten ursprünglich Wayne für die Rolle von Marshall Dillon haben wollen. Wayne lehnte wegen seiner Filmverpflichtungen ab(wie er später auch die Rolle des Jock Ewing in DALLAS ablehnte), machte die Produzenten aber auf James Arness aufmerksam. GUNSMOKE wurde die langlebigste Westernserie der Fernsehgeschichte. gunsmoke-fc679[1]

In 2o Jahren wurden 156 25-Minutenfolgen in Schwarzweiß und 356 farbige 45-Minutenfolgen produziert. Ursprünglich war- wie so viele frühe Fernsehsendungen- auch RAUCHENDE COLTS eine Radio-Serie gewesen, in der William Conrad, der spätere CANNON, von 1952 an neun Jahre Marshall Dillon sprach. Von 1962 bis 1965 spielte Burt Reynolds in einer ständigen Nebenrolle den halbindianischen Schmied Quint Asper. Der Riesenerfolg von GUNSMOKE zog eine ungeheure Zahl weiterer Westernserien nach sich: CHEYENNE, WAGONMASTER, LARAMIE, MAVERICK, HAVE GUN, WILL TRAVEL, um nur einige zu nennen. Den Höhepunkt erreichte die Westernwelle von 1957 bis 1959: 1957 wurden 28 neue Westernserien gestartet und 1959 sogar 32, und unter den zehn meistgesehendsten Programmen waren 7 Westernserien (GUNSMOKE; WAGON TRAIN; HAVE GUN WILL TRAVEL; THE RIFLEMAN; MAVERICK; TALES OF WELLS FARGO und WYATT EARP). Etwa 120 verschiedene Westernserien wurden zwischen 1948 und 1972 produziert.

Nicht ganz so langlebig wie GUNSMOKE, aber nicht minder erfolgreich war BONANZA. Die Serie lief von 1959 bis 1973 mit

440 Folgen und war die erste ganz in Farbe produzierte Fernsehserie. Sie verband äußerst geschickt den Western mit der Familienserie. Diese erfolgreichste US-Serie der 50er Jahre wurde Anfang der 60er bereits in 59 Länder verkauft und erreichte wöchentlich weltweit 350 Millionen Zuschauer. Und das, obwohl es 1958 nur in 26 Ländern der Erde kommerzielles Fernsehen gab. Offensichtlich gefiel es weltweit, wenn die Cartwrights mit dem Colt in der Faust jede äußere Bedrohung ihrer konservativen Werte beantworteten. Als Botschafter des American Way of Life waren sie ein nicht zu unterschätzender Faktor im Kalten Krieg der Ideologien. Keine andere Serie war ähnlich frauenfeindlich und ritt so penetrant auf Wertmaßstäben wie Familie, Eigentum, Autoritätshörigkeit und der Lüge von der Chancengleichheit herum. Der große Erfolg der US-Western in den 5oer Jahren hatte sicherlich auch mit dem Selbstverständnis der Amerikaner als selbsternannte Weltpolizisten zu tun. Bevor die sich ankündigenden Veränderungen der 6oer Jahre durchbrechen sollten, begegnete ihnen das konservative Amerika auch mit der scharfen Waffe Fernsehserie, in der die als uramerikanisch angesehenen Tugenden verklärt wurden.

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Nach dem großen Westernsterben von 1966 , konnte sich nur noch eine Westernserie in der Gunst des Publikums durchset­zen: HIGH CHAPARRAL, die es immerhin auf vier Jahre Laufzeit und 96 Folgen brachte.

BONANZA-Produzent David Dortort sah, dass im Kino der härte­re Italo-Western der klassischen US-Pferdeoper den Rang ab­lief. Er reagierte darauf, indem er das Konzept der klassi­schen Famili­enwestern, wie BIG VALLEY oder BONANZA, härter machte. So ist Familienoberhaupt John Cannon in HIGH CHAPARRAL ein harter, manchmal ungerechter Mann, der immer wieder in Konflikte mit seinem ihm zu weich erscheinenden Sohn Blue Boy gerät. Die Handlung  spielt in den 7oer Jahren des vorigen Jahrhunderts in Arizona. Im Gegensatz zu den Cartwrights aus BONANZA hat John Cannon, unterstützt von seinem Bruder Buck, seiner mexikani­schen Frau Victoria, deren Bruder Manolito, seinem Sohn und einigen Cowboys, die Wildnis noch nicht be­siegt. Die Cannons müssen ihren gerade erworbenen Besitz noch gegen Angreifer von Aussen, ob Indianer, Banditen oder die wilde Natur, verteidi­gen. Die in der Konzeption angesiedelte Härte setzte sich auch in der filmischen Darstellung um. Auch wenn HIGH CHAPARRAL heute harmlos erscheint, für die Zuschauer der 6oer Jahre war die Serie ungewohnt brutal und löste auch bei der deutschen Erstaustrahlung im ZDF eine Diskussion um Gewalttätigkeit im Fernsehen aus. Selten wurden für eine TV-Westernserie soviele kostspielige Aussenaufnahmen  gemacht. Die restlichen Szenen der von Dortorts Xanadu-Productions für den Sender NBC produ­zierten Folgen wurden in den Paramount-Studios abgedreht. Obwohl die Serie weltweit erfolgreich in über 6o Ländern gezeigt wurde, war sie in den USA nie ein wirklicher Hit: sie kam nie unter die 25 meistgesehenen Fern­sehprogramme und erhielt auch nie einen EMMY-Award. Als sie 1971 eingestellt wurde, war es endgültig vorbei mit dem Fern­sehwestern. Und bis heute ist dieses Genre nicht wirklich erfolgreich wiederbelebt worden. Weder durch DEADWOOD noch durch HELL ON WHEELS. Was sehr schade ist, aber sind andererseits Serien wie JUSTIFIED oder LONGMIRE nicht zeitgemäßere Westerb?

 

DIE LANGLEBIGSTEN WESTERNSERIEN:

 

20 Jahre Laufzeit:

GUNSMOKE/RAUCHENDE COLTS (633 Folgen)

14 Jahre:

BONANZA (440 Eüisoden)

9 Jahre:

THE VIRGINIAN/DIE MÄNNER VON DER SHILOH RANCH (225 Folgen)

8 Jahre:

CHEYENNE (107 Episoden)

THE LONE RANGER (221 Episoden)

rawhide1963series1[1]RAWHIDE/COWBOYS (144 Episoden)

WAGON TRAIN (442 Episoden)

7 Jahre:

THE GENE AUTREY SHOW (105 Episoden)

6 Jahre:

DANIEL BOONE (165 Episoden)

HAVE GUN, WILL TRAVEL (156 Episoden)

LIFE AND LEGEND OF WYATT EARP (266 Episoden)

THE ROY ROGERS SHOW (104 Episoden)

TALES OF WELLS FARGO (201 Episoden)

 

 

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